Albrecht-Dürer-Stadt-Nürnberg

Stadt Nürnberg

Vorträge

Fachleute aus aller Welt kommen in das Albrecht-Dürer-Haus, Dürers Wohnhaus und Arbeitsstätte, und machen Nürnberg so zum einzigartigen Treffpunkt der Dürer-Forschung. Thema 2005 sind die Reisen Dürers.

Samstag, 6. August, 10 bis 18 Uhr
Ort: Albrecht-Dürer-Haus, Albrecht-Dürer-Straße 39, Tel. (0911) 231-2568
Eintritt: 4 Euro, alle Vorträge 15 Euro
Vorverkauf im Albrecht-Dürer-Haus ab 25. Juli 2005


Die Rolle der Venedig-Reisen in der Akt-Auffassung Dürers

10 Uhr
Prof. Dr. Anne-Marie Bonnet, Universität Bonn

Anne-Marie Bonnet, Jahrgang 1954, Studium der Germanisitik, Anglistik, Romanistik und Kunstgeschichte in Aix-en-Provence und Heidelberg. Seit 1997 Universitätsprofessorin für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn. Lehre und Forschung zur Deutschen Renaissance, Kunst der Moderne und Gegenwart, Museologie sowie zur Geschichte und Zukunft des Faches.

In Formen von Graphiken aus Italien war Dürer der neuen – Renaissance genannten – Kunst, die sich damals südlich der Alpen ausbreitete, schon während seiner Ausbildungszeit mehrfach begegnet. Zweimal sollte er selbst die Alpen überqueren, um sich an den Nachfahren der verehrten 'Alten' zu messen. Beide Reisen (1494/5 und 1505-7) fanden zu sehr verschiedenen Momenten seiner Entwicklung statt und wirkten sich entsprechend unterschiedlich aus. Am Beispiel seiner Aktauffassung wird die Rolle der antiken und italienischen Kunst für die spezifische Kunst Dürers befragt.


Das Spiel mit dem Regelverstoß. Dürers Briefe aus Venedig

11 Uhr
Dr. Heike Sahm, Universität Köln

Jahrgang 1966, Studium der deutschen Philologie und Geschichte in Kiel und Tübingen, Doktorandenstipendium am Göttinger Graduiertenkolleg Kirche und Gesellschaft, Promotion in Tübingen 1998 über ’Dürers kleinere Texte’, seit 1997 wissenschaftliche Assistentin an der Universität zu Köln.

Von Dürers Venedig-Reise 1505-7 sind zehn Briefe an Willibald Pirckheimer überliefert, die eine Reihe witziger Anspielungen enthalten. Vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Scherzkultur können diese Wendungen als wohlkalkuliertes Spiel mit dem Verstoß gegen gesellschaftliche Konventionen beschrieben werden.


Die Grüne Passion

14 Uhr
Dr. Heinz Widauer, Albertina Wien

Jahrgang 1956, Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien. Zwischen 1992 und 1997 am Stadtmuseum Linz-Nordico und an der Albertina als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Veröffentlichungen des Bestandes italienischer Zeichnungen am Linzer Stadtmuseum (1997) und der französischen Zeichnungen des 16. Jahrhunderts der Albertina (1993, gemeinsam mit Eckhart Knab) bzw. des 17. bis ins beginnende 18. Jahrhundert (2004). 1995/96 Internship im Department of Drawings im J. Paul Getty Museum in Los Angeles. Seit 2002 fester Mitarbeiter der Albertina. 2002 Assistenzkurator der Dürer-Ausstellung und 2003/2004 Kurator der Rubens-Ausstellung in der Albertina.

Die Albertina besitzt elf Zeichnungen mit einer alten Zuschreibung an Albrecht Dürer, die aufgrund der Farbe des Papiers, auf dem sie gezeichnet sind und wegen ihres Themas die Grüne Passion genannt werden. Trotz intensiver wissenschaftlicher Beschäftigung mit diesem Passionszyklus in der Vergangenheit, lässt er hinsichtlich der Umstände seiner Entstehung, Zweckbestimmung und Zuschreibung immer noch viele Fragen offen. Der Vortrag stellt alle bisher bekannten Fakten dar und thematisiert vor dem Hintergund von Dürers zweiter Italienreise die Möglichkeit der Werkstattbeteiligung bei der Ausführung dieses Passionszyklus.


„vnd würt noch menschen vill künt durch antzewgung der gemell” – Dürers Landschaftsaquarelle

15 Uhr
Priv.-Doz. Dr. habil. Nils Büttner, Universität Dortmund

Privatdozent an der Universität Dortmund, forscht und publiziert zur deutschen und niederländischen Kunst- und Kulturgeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts. Neben der Künstlersozialgeschichte beschäftigen ihn dabei vor allem die Zusammenhänge zwischen Künsten und Wissenschaften.

In den Landschaftsaquarellen, die Dürer von seiner Italienreise mitbrachte, scheint die Landschaft als eigene Bildgattung präfiguriert, ohne dass Dürer die Landschaft je zum zentralen Thema eines Gemäldes oder einer Druckgraphik gemacht hätte. Welche Funktion hatten die Aquarelle? Sollten sie wirklich nur als Studien für die Hintergründe seiner Historienbilder dienen?


Studien auf Papier und Unterzeichnungen auf dem Malgrund: Beobachtungen zu Dürers Arbeitstechnik bei der Vorbereitung von Gemälden

16 Uhr
Alice Hoppe-Harnoncourt M.A., Wien

Nach dem Kunstgeschichte-Studium an der Universität Wien arbeitete Alice Hoppe-Harnoncourt zwei Jahre am Metropolitan Museum of Art in New York (2000-2002). Seither ist sie als selbständige Kunsthistorikerin in Wien tätig: Wissenschaftliche Mitarbeit bei Ausstellungen der Albertina (Albrecht Dürer, 2003; Rembrandt, 2004), Beratung des Kunsthistorischen Museums bezüglich der Infrarotreflektographie. Demnächst ist ein Forschungsprojekt mit dem Kunsthistorischen Museum über die Altdeutschen Gemälde der Sammlung geplant. Arbeitsgebiete: Altdeutsche Malerei; technische Untersuchungen an Gemälden, im Besonderen die Erforschung von Unterzeichnungen mittels Infrarotreflektographie; Restauriergeschichte.

Der Venedigaufenthalt Albrecht Dürers von 1505 bis 1507 ist hinsichtlich seiner Arbeit als Maler besonders interessant. In dem Vortrag soll nicht der stilistische Aspekt, sondern der Entstehungsprozess eines Gemäldes im Vordergrund stehen: Anhand der erhaltenen Vorstudien können wir Neuerungen bei der Vorbereitung des Rosenkranzbildes und von Christus unter den Schriftgelehrten, beide in Venedig gemalt, feststellen. Nicht viele Gemälde sind zeichnerisch so gut dokumentiert. Oft gibt auch die Unterzeichnung auf dem Malgrund Aufschluss über Vorbereitung und Entstehung eines Gemäldes.


Albrecht Dürer und die Niederlande –
künstlerischer Austausch und wechselseitige Faszination

17 Uhr
Priv.-Doz. Dr. habil. Dagmar Eichberger, Universität Heidelberg

Privatdozentin an der Universität Heidelberg, beschäftigt sich hauptsächlich mit nordeuropäischer Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts. Ihre Studien zur frühen Sammlungsgeschichte gehen von einem ganzheitlichen Verständnis kulturellen Schaffens aus, Kunsthandwerk und Graphik treten gleichberechtigt neben Malerei und Skulptur. Zur Zeit arbeitet sie an einer Ausstellung zum Thema „Frauen von Format: Margarete von York und Margarete von Österreich“. Eichbergers Begeisterung für Albrecht Dürer entwickelte sich während ihrer Dozententätigkeit in Australien. Die National Gallery of Victoria, Melbourne, verfügt über eine ausgezeichnete Sammlung seiner graphischen Werke und Schriften.

Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, welchen Einfluß die Niederlande auf das künstlerische Wirken Dürers ausgeübt haben. Wie äußerte sich Dürer selbst zur Kunst der frühen Niederländer und zur zeitgenössischen Kunstszene in Antwerpen, Brügge, Brüssel, etc.? Welche Spuren hinterließ Dürers Besuch in den Niederlanden?