Albrecht-Dürer-Stadt-Nürnberg

Stadt Nürnberg

Befragung

Ergebnisse der Befragungen und Sammlungsaufrufe bei Besitzern von Betenden Händen

Die Dürer-Stadt-Nürnberg feiert 2008 das 500. Jubiläum der berühmten Dürer-Zeichnung „Betende Hände“ (1508). Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Dürers Studie, die 360 Jahre lang unbekannt geblieben ist, eine so rasante Karriere machen konnte und warum nicht als Original, sondern ausgerechnet als dreidimensionale Replik?

Das Kulturreferat und das Germanische Nationalmuseum initiierten im April eine Befragung unter den Besitzern von Repliken der Betenden Hände. Im Germanischen Nationalmuseum fand an drei Dienstagen im Juni eine Sammelaktion statt, bei der Besitzer der Betenden Hände über ihre Stücke berichten und sie für die Ausstellung zur Verfügung stellen konnten.


Auswertung

Insgesamt gingen bis zum Herbst über 500 ausgefüllte Fragebögen aus ganz Deutschland, aber auch aus den USA beim Kulturreferat ein. An der Sammelaktion im Germanischen Nationalmuseum beteiligten sich 180 Personen, die mit ihren Stücken fotografiert wurden. Viele haben ihre Replik für die Ausstellung als Objekt zur Verfügung gestellt. Nun liegt eine erste statistische Auswertung  vor und etliche Zitate aus den Befragungen.


Statistische Auswertung

Die Auswertung der Fragebögen bot einige Überraschungen. Entgegen der ersten Annahmen verbinden die meisten Menschen die Betenden Hände nicht mit Trauer, Tod, Glaube, Beten (26%), sondern mit einer Erinnerung (46%). Für viele Menschen sind dies in erster Linie Erinnerungen an geliebte Menschen oder wichtige Ereignisse in ihrem Leben, wie z.B. Hochzeit oder Konfirmation. Immerhin 19% derjenigen, die „Erinnerung“ als Motiv für den Besitz ankreuzten, verbinden die Betenden Hände explizit mit der Erinnerung an den Künstler Albrecht Dürer.

Bei der Befragung zeigte sich deutlich, dass die Besitzer der Betenden Hände überwiegend zur „Erbengeneration“ gehören. 33% haben ihr Stück ererbt, meist von Eltern oder anderen Verwandten und es bis heute – teils trotz einer eher kritischen Einstellung – nicht weggeworfen. 12% hatten sie selber gekauft, 13 % selber hergestellt, z.B. als Zeichnung, geknüpftes Kissen oder bemaltes Straußenei.

Wie erwartet waren 50% der Teilnehmer über 60 Jahre alt und die meisten Stücke der Betenden Hände Reliefe (58%). Kaum eine Replik gleicht der anderen, was die Folgerung nahe legt, dass es sehr viele verschiedene Hersteller und Auflagen gegeben haben muss. Immerhin besitzen 30% die Betenden Hände als Bild. Ungewöhnliche Stücke waren T-Shirts, vollplastische Buchstützen oder auch Menschen, die sich das Motiv tätowieren ließen. Nicht immer ist das Verhältnis der Besitzer zu den Betenden Händen positiv. Etliche Teilnehmer der Befragung sehen sie als Kitsch und als belastetes Motiv für Religion und Kirche.


Zitate aus den Fragebögen

In den Fragebögen wurde nach der persönlichen Verbindung zu den Betenden Händen gefragt. Hier einige unterschiedliche exemplarische Antworten als Zitat:

„Die Nachbildung der Betenden Hände fand ich immer grausig. Sie hingen auch immer verkehrt, zu hoch, zu allein auf schrecklichen Tapeten. Auch die Hände so allein ohne Körper sehr befremdlich, sehr seltsam. Auch beim Anblick immer die Frage: Ist der Besitzer besonders fromm oder will er dem Betrachter den „Befehl“ geben mehr zu beten?“ (Jahrgang 1944, weiblich, besitzt ein Relief)

„Die Betenden Hände habe ich als Urkunde zur Konfirmation am 29. März 1942 bekommen, also im 3. Kriegswinter des Zweiten Weltkriegs, in einer Kleinstadt bei Hannover. Mein Vater...erteilte uns den zweijährigen Konfirmationsunterricht und führte die Konfirmation durch. Die Betenden Hände hingen auch in seinem Arbeitszimmer und bedeuteten ihm sehr viel. So haben die Betenden Hände schon eine lange Vorgeschichte für mich und gewannen unter den Ereignissen des Kriegsgeschehens mehr und mehr Bedeutung in meinem Leben...“ (Jahrgang 1928, weiblich, besitzt eine Konfirmationsurkunde)

„Ich kenne die Betenden Hände von meiner Großmutter. Sie haben mich schon immer sehr fasziniert, da sie für mich ein Bild von Kraft und Ruhe sind. Seit einigen Jahren lasse ich mir nun eine Tätowierung auf der Brust und dem linken Oberarm stechen...

Auf der rechten Seite sollen Symbole für ein positives Lebensziel gestochen werden, da nehmen die Betenden Hände für mich einen großen Raum ein. Da ich wollte, dass die Tätowierung möglichst ähnlich wie die Zeichnung von Albrecht Dürer wird, habe ich mir ein Buch über Dürer und sein Werk gekauft, die Zeichnung kopiert und vergrößert....Sehr wichtig war mir, dass die Adern herausgearbeitet werden, da sie symbolisch für Kraft stehen....“, (Jahrgang 1977, männlich, Tätowierung der Betenden Hände auf dem Oberarm, 2004/5 gestochen)

„Für mich hatte dieses Motiv die größte Bedeutung zur Zeitz meiner ersten Verliebtheit. Inständig habe ich zu jener Zeit gebetet auf Gegenliebe zu stoßen. Alle Daten, die für mich im Hinblick auf meine große Liebe wichtig waren, habe ich auf die Rückseite des Reliefs geschrieben. Als die Liebe weg war habe ich sie mit Schmirgelpapier entfernt. Ein Schatten ist zum Teil bis heute geblieben von den Daten und der unerfüllt gebliebenen Liebe.“ (Jahrgang 1956, weiblich, besitzt Relief)

Die Veranstaltungen zu „500 Jahre Dürers Betende Hände“ werden von der Sparkasse Nürnberg gefördert.