Albrecht-Dürer-Stadt-Nürnberg

Stadt Nürnberg

Dürer-Vorträge

Vortragsreihe zum Jubiläum des Albrecht-Dürer-Hauses

Samstag, 27. Juni 2009, 10 bis 18 Uhr

Seit 2002, dem Jahr des 500. Geburtstages von Albrecht Dürers berühmtem Aquarell "Junger Feldhase", veranstaltet das Kulturreferat der Stadt Nürnberg an einem Wochenende im August ein gehobenes Kulturprogramm zu Ehren des bekanntesten Nürnberger Künstlers. Im Dürer-Haus selbst finden zu diesem Anlass jährlich Vorträge renommierter Fachgelehrter aus dem In- und Ausland statt.

Vor 500 Jahren, am 14. Juni 1509, erwarb Albrecht Dürer das stattliche Fachwerkhaus unterhalb der Nürnberger Burg. Die traditionellen Dürer-Vorträge beleuchten daher in diesem Jahr verschiedene Aspekte der wechselvollen Geschichte des Albrecht-Dürer-Hauses und seiner Bewohner.


10 Uhr
Hans Gaab, Nürnberg

Bernhard Walther, Astronom und Handelsmann – der Vorbesitzer des Albrecht-Dürer-Hauses

Schon zu Lebenszeiten wurde Albrecht Dürer nicht nur als Künstler, sondern auch als Mathematiker hochgeschätzt. So ist es wohl kaum ein Zufall, dass er vor 500 Jahren das heute nach ihm benannte Haus kaufte, dessen Vorbesitzer der 1504 verstorbene Handelsmann und Astronom Bernhard Walther war. Walther, ein Freund und Schüler des bekannten Johannes Regiomontanus, ließ das Gebäude nach seinen Vorstellungen umbauen, so dass er von den Fenstern des Südgiebels aus seine astronomischen Messungen tätigen konnte. Seine Beobachtungsreihen und Forschungsergebnisse dienten den Wissenschaftlern der Folgezeit, so auch Nikolaus Kopernikus, als wichtige Grundlage.

Hans Gaab, Studiendirektor am Labenwolf-Gymnasium Nürnberg, Fachbereich Mathematik, Physik und Informatik; Astronomiehistoriker und Mitglied der Nürnberger Astronomischen Gesellschaft und Nürnberger Astronomischen Arbeitsgemeinschaft


11 Uhr
Dr. Michael Roth, Berlin

Dürer und seine Familie

Nicht erst der Berliner Reporter Egon Erwin Kisch unternahm „Nachforschungen nach Dürers Ahnen“. Er steht bereits in einer längeren Tradition künstlerbiographischer Forschung zum berühmtesten Sohn der Stadt Nürnberg, die sich bemüht, unter Ausnutzung aller erdenklichen Quellen - vom Ortstermin in der ungarischen Provinz bis zur Autopsie bekannter Gemälde und Bildniszeichnungen - Freundschafts- und Verwandtschaftsverhältnisse und sonstige persönliche Beziehungen aufzuspüren oder zu rekonstruieren. Der Jahrestag des Dürer-Hauses ist ein willkommener Anlass, solchen vielfältigen Familienangelegenheiten erneut nachzugehen und dabei auch die unterschiedlichen Facetten bisheriger Forschung vorzustellen.

Michael Roth, Leiter der Sammlung deutscher Zeichnungen, Buchmalerei und Druckgraphik bis 1800 im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin


14 Uhr
Dr. Daniel Hess, Nürnberg

Der Künstler im Atelier – Fragen zu Albrecht Dürers Werkstatt

Der Künstler und sein Atelier sind Sinnbilder für Inspiration und Kreativität. Entspricht auch Dürers Werkstatt diesem modernen Verständnis? War Dürers Atelier nicht vielmehr ein für die Zeit um 1500 typischer Ort einer ökonomischen Kunstproduktion? Oder war die Dürer-Werkstatt tatsächlich einer der frühesten akademischen Lehrbetriebe? Der Vortrag spürt den Vorstellungen und Belegen zur Dürer-Werkstatt und den Künstlerateliers der Frühen Neuzeit nach. Es zeigt sich dabei, wie sehr unser Verständnis von Ideen und Idealen des 17. und 19. Jahrhunderts geprägt ist.

Daniel Hess, Stellvertretender Direktor und Leiter der Sammlungen Gemälde bis 1800 und Glasmalerei im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg


15 Uhr
Dr. Anna Scherbaum, Nürnberg

Wiederentdeckt! Das Albrecht-Dürer-Haus in frühen Ansichten von Johann Adam Klein und Johann Christoph Erhard

Nach dem Tod Albrecht Dürers gilt seinem Haus wenig Beachtung. Erst im Zuge der romantischen Entdeckung Nürnbergs im 19. Jahrhundert entwickelt es sich zu einer Stätte der Dürer-Verehrung. Jetzt entsteht auch ein Markt für Darstellungen, die hauptsächlich das Albrecht-Dürer-Haus in den Blick nehmen. Die früheste druckgraphische Ansicht des Gebäudes stammt von Johann Christoph Erhard. Die zugrundeliegende Vorzeichnung Johann Adam Kleins ist verschollen. Doch lässt sich der zeichnerische Kontext rekonstruieren. Er wirft ein interessantes Licht auf eine neue Schwerpunktsetzung in der Dürerbiographik.

Anna Scherbaum, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrums der Museen in Nürnberg


16 Uhr
Ulrike Berninger M.A., Nürnberg

Wiederhergestellt und eingerichtet. Friedrich Wilhelm Wanderers Musealisierung des Albrecht-Dürer-Hauses

Im Jubiläumsjahr 1871 gründet sich die – bis heute aktive – Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung und wird vier Jahre später Mieterin des Künstlerhauses. Vorrangiges Ziel der Stiftung ist es, das im Laufe des 19. Jahrhunderts heruntergekommene Anwesen wieder herzurichten, würdig auszustatten und als Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach den Entwürfen der das Nürnberg der Wilhelminischen Zeit dominierenden kunstpolitischen Persönlichkeit, des Malers und Kunstschulprofessors Friedrich Wilhelm Wanderer, erfolgt Anfang der 1880er Jahre die „Wiederherstellung und Einrichtung“ des Künstlerhauses „im Gepräge der Zeitperiode Dürers“.

Ulrike Berninger, Leiterin des Museums Tucherschloss mit Hirsvogelsaal und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der museen der stadt nürnberg


17 Uhr
Prof. Dr. Friedhelm Marx, Bamberg

Albrecht Dürer in Thomas Manns Roman „Doktor Faustus”

Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ knüpft auf vielfältige Weise an die Welt Dürers an. Der Vortrag zeichnet nach, welche Rolle Albrecht Dürer und das Nürnberger Albrecht-Dürer-Haus in diesem radikalen Deutschlandroman des Jahres 1947 spielen. Dabei wird auch zur Sprache kommen, welche zeitgenössischen Dürer-Bilder Thomas Mann aufgreift und wie er sie in seinem Roman modifiziert.

Friedhelm Marx, Lehrstuhlinhaber für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg


4 Euro pro Vortrag, 15 Euro alle Vorträge
Karten ab 6. Juni im Albrecht-Dürer-Haus erhältlich

Albrecht-Dürer-Haus
Albrecht-Dürer-Straße 39
www.museen.nuernberg.de/duererhaus